Sören ist Sophie – Ein Fotoprojekt

Sören ist Sophie oder mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind. Ein Fotoprojekt.Transgender, Lifestyle, Photographer, Kathrin Stahl004

Ein Fotoprojekt, das mit einer Foto-Session mit meiner Tochter startete. “Mama, ich würde keinen Blogeintrag daraus machen. Es gibt Leute, die Dich dann nicht für ihre Hochzeit buchen.”
Das waren Maries Worte nach unserem Shooting bei ihr Zuhause. Sie sagen so vieles darüber, wie es sich anfühlt in unserer Gesellschaft so zu leben wie Marie und viele tausend andere Menschen es tun. Transgender-Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Das Leiden, die Nicht-Akzeptanz, die täglichen Kämpfe, die diese Menschen durchleben, sind der Grund dafür, dass ich dieses Projekt mache. Ein Projekt, das ebenso Maries ist wie meines.

Vielleicht fragte mich ja vor ein paar Jahren noch jemand von Euch nach meinen Kindern und ob ich Mädchen oder Jungs habe. Veilleicht erinnert Ihr Euch, dass meine Antwort war: “Drei Kerls”. Heute ist sie: “Meine Große ist 21, mein mittlerer Sohn 18 und mein Kleinster 9″. Meine Große, meine Tochter.
Wie fühlt sich das an, wenn man mal drei Jungs hatte und sich irgendwann herausstellt, dass einer von ihnen im falschen Körper unterwegs ist? Wie fühlt es sich an für die Brüder, die plötzlich eine große Schwester haben? Wir alle sind über die Jahre hineingewachsen und die Frage ist gar nicht, wie es uns damit geht. Die Frage ist: “Marie, wie geht es Dir?”
Schmerzvoll ist es, wenn das eigene Kind fast täglich von neuen Verletzungen erzählt. Verletzungen der Seele durch Menschen, die keine Ahnung haben. Menschen, die verletzend sind, weil sie keine Lust haben, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das nicht in ihre Welt gehört. Menschen, die sich in ihrem Sein bedroht fühlen durch ein Anderssein.

Wie heißt Du? Marie? Ich wusste gar nicht, dass Marie ein Männername ist.

Transgender, Lifestyle, Photographer, Kathrin Stahl007

Leiden wird verursacht durch diese Umwelt. Und durch Medikamente, die Depressionen auslösen, die aber notwendig sind, damit Transgender-Menschen sich in ihrem Körper im Rahmen des Möglichen Zuhause fühlen können. Leiden durch Gesetzestexte, die Behandlungen versagen. Durch Krankenkassenmitarbeiter, die schikanieren, die auf Paragraphen herumreiten, an Stellen, an denen sie Spielraum hätten.
Hier standen noch sehr viel wütendere Zeilen; ich habe sie nachträglich gelöscht. Unser Projekt soll ein zartes, mitfühlendes sein, fern aller Polemik.

Seit ein paar Jahren ist das Thema Trans-Gender Teil unserer Familie. Irgendwann ließ mich der Gedanke nicht mehr los, dass man der Welt irgendwie zeigen müsse, wie es Transgender-Menschen (er)geht. Seither arbeite ich in Gedanken an diesem Projekt. Ich möchte einen Schritt gehen, weg von dem “Zoo-ähnlichen Umgang mit der Exotik der Transthematik” wie Marie es einmal nannte. Natürlich werde ich das mit Bildern tun. In Blogeinträgen, in denen die Menschen auf den Bildern zu Wort kommen sollen, wenn sie es möchten. Später soll ein Buch daraus entstehen.

Marie möchte wie viele Transgender-Menschen ihren alten Namen nicht mehr mit sich in Verbindung bringen. Deswegen heißt dieses Projekt “Sören ist Sophie”.
Sören und Sophie stehen für die Trans-Männer und Trans-Frauen, die mit Marie und mir zusammen die Welt ein ganz kleines Stück bewegen wollen. Oder die einfach zeigen möchten, wie es ihnen geht und wie sie leben, so wie sie leben. Ich möchte Euch Zuhause fotografieren oder in Eurer nahen Umgebung, dort, wo Ihr gerne seid, wo Ihr Euch geborgen fühlt. Gerne auch mit Menschen, die Euch diese Geborgenheit geben.
Wenn Ihr Teil sein möchtet, schreibt mir eine Mail und erzählt mir ein klein wenig von Euch: love@kathrinstahl.com

Ich bin so so gespannt auf Euer aller Kommentare – aller Betroffenen und aller, die sich mit dem Thema bis heute gar nicht auseinander gesetzt hatten – so wie ich bis vor ein paar Jahren.

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  • carolin - 23/04/2014 - 11:34

    Tolle Tochter, tolle Mutter, tolles Projekt!

  • carolin - 23/04/2014 - 11:35

    Wenn ich noch mal heiraten würde, würde ich dich gerade WEGEN solcher Ideen, Blogeinträge (ja, und natürlich der fantastischen Fotos…) buchen!

  • Susanne - 23/04/2014 - 11:41

    So weise, wohl gewählte Worte für ein so sensibles Thema hast du da gefunden, liebe Kathrin! Die Bilder dazu erzählen die Geschichte so, wie ich sie bei euch erlebe. Ich bewundere euch als Familie wie offen, ungezwungen und mutig ihr mit diesem Thema umgeht.

    So schwer dieser Weg für Marie zu gehen ist – für euch alle, die ihr mitgeht – so sehr freue ich mich für sie, in diese Familie geboren zu sein, in der sie so angenommen wird, wie sie ist. Meine große Hochachtung dafür! Marie wünsche ich, dass für sie die Reise schon zum Ziel wird und dass sie trotzdem irgendwann ankommt und mit sich zufrieden sein wird. Wie schwer der Weg auch sein mag.

    Ich wünsche euch ganz viel Erfolg mit eurem Projekt und freue mich schon auf mehr! Und das nicht der Exotik sondern der Menschlichkeit wegen. Unperfekt sein ist nämlich sehr menschlich. Das vergessen nur leider all zu viele.

    Alles Liebe für euch beide!
    Susanne

  • Nina - 23/04/2014 - 11:52

    Liebe Kathrin und liebe Marie,

    großen Respekt für diesen Blogartikel! Ein wirklich sehr berührender Text und wundervolle Bilder! Ich freue mich sehr, dass wir uns jetzt mal persönlich getroffen haben. Ich wusste, dass du eine tolle Frau bist, Kathrin! Ich habe noch nie mit diesem Thema zu tun gehabt und finde es deshalb umso mutiger, dass ihr beide als Tochter und Mutter dieses Thema öffenlich macht.

    Ich wünsche euch dabei viel Kraft, aber auch Freude und Zuspruch!

    Knutscha, Nina

  • Inga - 23/04/2014 - 14:09

    Wow. Ich bin beeindruckt. Ein mutiges, berührendes, tolles Projekt das zum Nachdenken anregt.

  • Alex - 23/04/2014 - 17:51

    Das ist wirklich ein wahnsinnig tolles Projekt! Ganz, ganz toll! Und es bringt Mut, ich finde keine Worte dafür, wie beeindruckend ich das ganze finde. Auch die Fotos sprechen eine besondere Sprache..

    LG
    Alex

  • Angela - 23/04/2014 - 20:04

    Liebe Kathrin… Ich gratuliere dir zu deinem Mut – und auch zum Mut deiner Tochter – diese sensible Thematik zur (Bild)Sprache zu bringen. Ich bin begeistert von der Idee mit dem Buch. Weiter so! Alles Liebe aus der Schweiz, Angela

    PS: Ich freue mich riesig aufs Wochenende in Hamburg :)

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